Im sozialpädagogischen Arbeitsalltag stehen Fachkräfte kontinuierlich vor der Herausforderung, unterschiedliche emotionale Ausdrucksformen von Klient*innen einzuordnen und darauf aufbauend angemessene Unterstützungsformen zu entwickeln. Diese Einschätzungen entstehen häufig situativ im direkten Kontakt und sind dabei nicht nur fachlich begründet, sondern auch durch eigene Erfahrungen, normative Vorstellungen sowie institutionelle Rahmenbedingungen geprägt.
Der Workshop greift diese Praxis im Kontext der Dialectical Behavior Therapy (DBT) auf und eröffnet einen strukturierten Reflexionsraum, in dem eigene Wahrnehmungs- und Deutungsmuster bewusst gemacht werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Emotionsausdruck interpretiert wird und welche impliziten Annahmen dabei handlungsleitend sind – insbesondere in Bezug auf die Einschätzung von Unterstützungssettings (ambulant oder stationär).
Anhand von Fallvignetten arbeiten die Teilnehmenden in einem mehrstufigen Prozess: Zunächst werden intuitive Einschätzungen zu Emotionsausdruck und Setting ohne Kontext vorgenommen. In einem zweiten Schritt werden diese durch zusätzliche Informationen zu biografischen Erfahrungen, sozialen Lebenslagen, kulturellen Hintergründen und Ressourcen erweitert. Dadurch werden Perspektivverschiebungen angeregt und vorschnelle Zuschreibungen reflektierbar gemacht.
Im weiteren Verlauf richtet sich der Fokus auf unterschiedliche Formen von Emotionsausdruck und deren funktionales Verständnis im Sinne der DBT. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden praxisnahe, diversitätssensible Handlungsmöglichkeiten für das ambulante Setting. Im Zentrum stehen dabei eine validierende Grundhaltung, die Gestaltung tragfähiger Beziehungen, der gezielte Einsatz von Skills sowie die Berücksichtigung struktureller Rahmenbedingungen.
Ziel des Workshops ist die professionelle Wahrnehmung zu differenzieren, den Blick für Kontext- und Diversitätsaspekte zu schärfen und die Handlungssicherheit im Umgang mit herausfordernden Emotionsausdrucksformen im ambulanten Setting zu stärken. Der Workshop versteht sich als reflexiver Lernraum, der an bestehende Praxiserfahrungen anknüpft und diese systematisch erweitert.